6.01.2013

Rückblick: 16.8.2012 – Rotorua und Te Puia oder Whakarewarewa

In die Höhe schießende Geysire, heiße Thermalquellen, blubbernd modrige Schlammpools, unser erster lebendiger Kiwi, „Haka“ und „Poi“, ein Maori, der uns etwas über seine Kultur erzählt, Wasser und Gestein in den Farben Schimmelgrün, Schwefelgelb, leuchtendes Blau, Türkis oder einfach nur Grau… das war alles, was wir von dem Ort wussten, den wir heute besuchen wollten: Whakarewarewa, ein Geothermalgebiet und gleichzeitig eine Maori-Gemeinde in Rotorua.

Zunächst gab es am Morgen einen der luxuriösesten Frühstücksmomente unserer Reise:

Pancakes mit frischem Obst, yeaaah 🙂 Da wir hier eine gute Küche hatten und noch den Proviant unserer Reise aufbrauchen mussten, damit am Ende nicht alles übrig ist, hatten wir uns entschieden, Pancakes zu machen (manch einer möge dazu auch Pfannkuchen oder Eierkuchen sagen 😉 ) Unsere Pancakes waren schnell gemacht: Wasser in den Pancake-Behälter, gut schütteln und ab in die Pfanne – das kannten wir schon gut aus Australien 😉

Danach machten wir uns auf ins Maori-Dorf oder Museum oder Geothermalgebiet… was es nun so ganz genau war, wussten wir ja nicht, aber wir kannten den Ort unter dem Namen „Te Puia“ – später erfuhren wir, dass es sich hierbei um einen von Maori geführten Touristen-Natur-Kultur-Park handelt, wo früher diese Maori-Gemeinde gelebt hatte. Am Eingang dort stand ein Bauwerk, von dem Kati vorher schon einiges gehört hatte, das „Te Heketanga a Rangi“:

Hier begrüßten uns also die Götter der Maori in große Säulen geschnitzt:

Die Statuen sahen schon ziemlich gruselig aus…

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Was genau die Bedeutungen der einzelnen Symbole und Darstellungen sein sollte, wollten wir hier erfahren.

Wir hatten u.a. Tickets für eine Maori-Kultur-Präsentation gekauft, bei der wir einige Traditionen und Tänze der Maori-Kultur kennen lernen durften. Bis dahin war noch ein bisschen Zeit und so liefen wir erst einmal durch das Dorf… es wirkte alles ein bisschen wie in einem Freizeitpark, wo alles ausgestellt, für Touristen aufgebaut und vorgespielt wirkt. Darüber sollte man sich auf jeden Fall im Klaren sein: Hier wird die Kultur an Touristen verkauft… ob und wie realistisch all das ist, was wir gelernt und gesehen haben, kann ich leider nicht genau sagen. Um der „wahren“ Maori-Kultur und der Lebensweise, wie sie heute in Neuseeland stattfindet und wie genau Traditionen noch fortgeführt werden etc, auf den Grund zu gehen, dazu müsste man viel länger in Neuseeland bleiben und viel enger mit den Einwohnern gemeinsam leben. Wir vermuten aber, dass es in Neuseeland ähnlich ist wie in Australien: Das Bild der Ureinwohner für Touristen weicht doch ziemlich von der Realität ab.

Da wir nun aber „nur“ 4 Wochen Zeit hatten, gab es eben die touristische kulturelle Einführung, die aber in jedem Fall eine lohnende Show-Einlage bietet.

Unsere Kultur-Performance begann vor dem Versammlungshaus der Maori, dem „Te Aranui“:

Die Show begann mit einem „Karanga“, einer traditionellen Begrüßung:

Dabei kam einer der Maori-Krieger auf uns zu getanzt (ich drück das mal so aus…) und legte eine Pflanze vor einen der Touristen…ähm, also der Gäste ;), um zu sehen, wie das Gegenüber reagiert: Freund oder Feind? Die Pflanze musste aufgehoben werden, als Zeichen dafür, dass wir in Frieden kommen. Danach durften wir unter Gesang der anderen Krieger in ihr Versammlungshaus eintreten. Das ganze klingt irgendwie witzig, aber gelacht haben wir dabei nicht. Wir wurden nämlich kurz vor Beginn der Performance gebeten, das alles sehr ernst zu nehmen und nicht zu lachen. Schließlich handelt es sich hierbei um ein ernstes traditionelles Verfahren. Die meisten Häuser der Maori sind der Öffentlichkeit nicht zugänglich und wenn, dann ist das Fotografieren strengstens verboten. Hier durften und sollten wir aber so viele Fotos machen, wie wir wollten 😉

Im Haus, das nur barfuß betreten werden durfte, gab es dann eine kleine Bühne, auf der uns u.a. „Haka“ und „Poi“ gezeigt wurden. „Haka“ ist ein ritueller Tanz der Maori-Krieger, um Gegner einzuschüchtern. Es war eine Art Sprechgesang, bei dem die Krieger ihre Narben, ihre Muskeln und ihre Waffen tänzerisch präsentierten…

… immer wieder rythmisch mit ihren Händen hart auf die nackte Brust, die Oberarme oder Oberschenkel schlugen…

… kräftig die Zunge rausstreckten und beängstigend Zisch- und Pustelaute, Stöhnen und Raunen von sich gaben.

Das war sehr beeindruckend, und ich wäre als Gegner oder Feind hundert prozentig schnellstens davon gebraust… aber zum Glück wurden wir hier ja als Freunde empfangen 😉

Die Maori-Frauen präsentierten „Poi“, eine artistische Bewegungskunst mit Spinning-Elementen. Hm, wie beschreibe ich das am einfachsten? Die Frauen sangen und wirbelten Seile, Bälle und viele andere Gegenstände durch die Luft… ja, das ist vielleicht die einfachste Beschreibung 😉

Anschließend erklärten uns die Männer, woraus ihre Waffen bestanden, wie man sie benutzt und wie all die einzelnen Teile der Waffe heißen… wir haben so gut wie nichts verstanden, denn das ging einfach viiiiiel zu schnell 😉

Für alle, denen Fotos und Beschreibungen nicht reichen, haben wir schnell einmal ein paar Eindrücke aus der Maori-Performance zusammengeschnitten. Die letzte Szene des Videos zeigt den „Haka“, der vielleicht durch die neuseeländische Rugby-Mannschaft „All Blacks“ bekannt ist. Sie tanzen diesen Ritualtanz vor jedem Spiel, um sich selbst zu motivieren und den Gegner einzuschüchtern. Viel Vergnügen also an dieser Stelle mit ein bisschen Maori Kultur:

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Nach knapp einer Stunde war die beeindruckende Show vorbei. Beim Schuhe-anziehen vor dem Haus entdeckte ich dieses Schild:

Anscheinend gibt es im neuseeländischen Sommer doch eine unendlich große Touristenmenge. Wir wanderten nun in ruhiger Atmosphäre, d.h. ohne große Menschenmassen, durch das Dorf und seine Umgebung – direkt zu einem der insgesamt nur sieben Kiwihäusern Neuseelands. Hier konnte man ein Kiwi-Pärchen hinter dickem Glas in der Dunkelheit beobachten. Der Kiwi wirkte wie eine Pummel-Flauschekugel echt putzig und eben auch, wie schon einmal beschrieben, ziemlich lustig – einen so langen Schnabel vorne und keinen Schwanz, er purzelt bestimmt jeden Moment nach vorn und fällt auf die Nase bzw. den Schnabel… hihi

Ich konnte es mir nicht nehmen lassen und knipste ein paar Bilder. Damit der Kiwi keinen Schaden nimmt oder verschreckt wird, fotografierte ich ohne Blitz… die doch recht schlechten Aufnahmen wollen wir euch aber nicht vorenthalten 😉

Nachdem wir uns am Kiwi satt gesehen hatten, erkundeten wir die weitere Umgebung. Der Weg führte durch tollstes Grün…

… mittendrin standen immer wieder Maori-Skulpturen…

… und ab und zu sah man wieder ein Indiz dafür, dass dieser Ort eindeutig von vielen Touristen besucht wird, die alle gerne Essen fallen lassen oder Vögel füttern:

Dieser mopsige Geselle (oben) nennt sich kleiner Vogel oder Spatz und wurde eindeutig zu viel gefüttert 😉

Kurz hinter den Häusern befanden wir uns nun auf einem Ausblick über die Umgebung:

… hm, in den Universal Studios in Hollywood würde ich das als Filmkulisse und Achterbahngebiet von Jurassic Park beschreiben… das hier ist aber absolut echt: Regenwaldgebiet auf Vulkanboden bzw. inmitten eines Supervulkans, mit Geysiren, Schlammpools und bunten Thermalquellen, Wahnsinn, oder?!

Wir kamen an kleineren, furchtbar stinkenden Schlammpools vorbei…

… und standen dann auf felsigem Grund zwischen Schlammpools und Felsvorsprüngen, aus denen heiße Wasserfontänen sprühten.

Und dann wurde es verrückt: Wir standen in der Nähe eines Hotels, vor uns ein Schlammpool, rechts neben uns ein Flüsschen mit Felsen und Geysiren…

Hier stehen wir nun vor einem riesigen Schlammbad, wo es so furchtbar stinkt, dass einem fast… naja, es roch einfach ekelhaft…

Es war aber unglaublich faszinierend, wie der Boden brodelte und es „pluppte“ und spritzte…

… und als wir nach rechts sahen, deutete sich gerade der Ausbruch von einem der großen Geysire an:

Wir machten uns sofort auf den Weg in Richtung „Pohuto“, einem berühmten Geysir, der knapp 30 Meter in die Höhe schießt.

Je näher wir kamen, desto merkwürdiger verfärbte sich das Gestein um uns herum:

Und je näher wir dem Platz kamen, an dem auch ein paar weitere Geysire waren, desto wärmer und stickiger wurde die Luft (gestunken hat es immer noch furchtbar):

Wir standen gerade auf einer kleinen Brücke über einem heißen Fluss, als „Pohuto“ anfing, mächtig zu dampfen.

Und dann brach eine riesige Fontäne aus dem Felsstein!

Das war wirklich fantastisch! Es sprühte unentwegt, es zischte und der Wind verstärkte das Schauspiel… (nur die Luft stank immer noch nach faulen Eiern oder eben Schwefel…) Und weils so toll aussah, hier noch ein paar Bilder des großen Geysirs „Pohuto“:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Auf dem oberen Bild ist auch der „Prince of Wales Feathers“-Geysir gut zu erkennen, der eine schräge Säule (ungefähr 9 Meter hoch) neben dem „Pohuto“ bildet 🙂

Nach knapp 30 Minuten hatten sich „Pohuto“ und der „Prince“ ausgetobt und versanken wieder unter der Felsoberfläche. Wir machten unsere Runde weiter durch die felsige Schwefel- und Schlammlandschaft, die – nicht vergessen – direkt an das Regenwaldstück grenzt bzw. mittendrin liegt. Vorbei gings an schwefeligen Felsen:

Vorbei gings auch weiter an blubbernden Schlammlöchern…

„Blubb blubb“ hörte man überall…

Dann sahen wir einen leuchtenden, aber brodelnden Wasserpool…

… wir liefen hier lang und dort lang und hatten großes Glück, dass sich das Wetter bis jetzt(!) noch gut hielt. Irgendwie hatten wir nach einer ganzen Weile keine Ahnung mehr, wo nun eigentlich was war… und was hier eigentlich was war… einige Wegweiser waren da auch nur wenig hilfreich 😉

Am späten Nachmittag machten wir dann eine geführte Tour durch das Gebiet, das wir die letzten Stunden auf eigene Faust erkundet hatten. Unser Guide war ein Maori, der hier in der Gemeinde lebte. Er plauderte viel aus dem Nähkästchen und erzählte viel Wissenswertes. Zuerst aber mussten wir den Begriff lernen, der dieses Gebiet hier beschreibt… und dieser Begriff bzw. das Wort war seeeeeeeeeeeehr lang 😉

Joar, egal wie oft wir das Wort mit ihm wiederholten, zur korrekten Aussprache im höheren Schneckentempo kamen wir irgendwie nicht, hihi.

Wie heute Morgen vom Wetterdienst angekündigt, schlug das Wetter plötzlich um, und es fing an in Ströööööööömen zu schütten! Wir hatten schon einige Regentage hinter uns gebracht, aber in diesem Regen zu stehen (selbst in Regenklamotten), war nicht schön. Schnell beschloss unser Guide, dass wir zunächst durch die Häuser touren werden… da ist es trocken 😉 Erster Stopp war die Carving School… hm, Tischler-Ausbildungsstätte könnte man sagen:

Hier wird bekennenden Maori gezeigt, wie Souvenirs, Waffen und alles, was der Maori so braucht, aus Holz geschnitzt werden. Die Teilname an den Kursen ist nur Männern erlaubt. … Hier sieht man ein paar frisch angefertigte Waffen:

Dieses Maori-Boot schauten wir uns dann unter einem Dach an.

Unser Guide erzählte sehr viel über die Schnitzereien und über einige Symbole… die Bedeutungen der Symbole selbst verschleierte er aber immer gekonnt… Maori geben anscheinend wie auch die Aborigines ihre Geschichten nur ganz selten an Außenstehende weiter. Ein paar Bedeutungen konnten wir dem jungen Mann dann aber doch entlocken: Bspw. steht ein Viereck mit einem Strich in der Mitte, dass die meisten Figuren auf dem Bauch tragen, für den Lebenszyklus, für Geburt, Leben und den Tod. Über den auffällig großen Augen haben die Figuren unterschiedlich viele Augenbrauen, die hinunter zur Nase laufen. Die Bögen bzw. Brauen stehen für Wissen, das nach innen in das Gehirn läuft. Je mehr Brauen oder Bögen zu sehen sind, desto mehr Wissen strömte bereits in das Gehirn 🙂 Diese Symbole werden auch für Tätowierungen der Maori verwendet.

Nach viel Infromation und einem schnellen Marsch durch den strömenden Regen hier und dort hin, landeten wir pitschenass im Kiwi-Haus. Hier hörten wir traurige Details über die Jagd auf den Kiwi, um Bekleidung herzustellen oder Essen zu haben, über die Ausrottung des selten gewordenen Tieres durch eingeschleppte Marder oder eben den Maori, wenn der Europäer nicht gekommen wäre und sie aufgehalten hätte… all das, was wir vorher in Büchern gelesen und im Museum gesehen hatten, war hier nun sehr nahe und wirklich… ein komisches Gefühl. Nachdem wir (und die anderen vier Touris in unserer Gruppe) großes Mitleid mit dem kleinen Vogelgesellen hatten (der Maori hingegen fand das irgendwie lustig) machten wir uns wieder auf zu blubbernden Schlammlöchern, Geysiren und alles, was man hier im tiefsten Regen noch so ansehen kann 🙂

Unsere Tour endete dann verständlicherweise früher als gedacht, denn der Regen war einfach zu aggressiv. Kati und ich beschlossen, dass wir hier nun alles gesehen hatten und machten uns auf den Weg zurück ins Hostel. Der Tag war ja auch schon fast zu Ende… abends gab es dann Kino der besonderen Art: Da wir bisher ein 4-er Zimmer für uns alleine hatten, stellten wir ein bisschen was um und bauten uns ein individuelles Kino: Das kleine Netbook auf einem viereckigen Kasten, der Kasten auf dem umgedrehten Mülleimer. Der Turm stand dann mitten im Zimmer, damit das Stromkabel noch bis zur Steckdose reichte. Auf Kissen an eines der Betten gelehnt saßen wir dann auf dem Boden und erfreuten uns an einem Film 🙂 Vor lauter Freude haben wir dann ganz vergessen, unsere eigenwillige Konstruktion im Hostelzimmer zu fotografieren 😉 hihi

Nach dem Film gings dann ins Bett, denn morgen wird es auch wieder richtig spannend werden… da begeben wir uns nämlich auf die Suche nach Hobbits…wir fahren nach Hobbiton! yeahhh.

Liebste Grüße

PS: Und für alle, die sich immer noch fragen, warum bei Zeichnungen, Figuren und überhaupt in der Maori-Kultur immer die Zunge so weit heraus gestreckt wird bei weit aufgrissenen Augen: Zu Abschreckung, bspw. eines Feindes! 🙂

Kommentare

Habt ihr den Film „Whale Rider“ gesehen? Da erfährt man auch ganz viel über die Maori-Kultur, sieht diese Tänze und so weiter. Schon faszinierend…

danke für den tipp! kommt auf die to-see-liste 🙂

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