7.09.2013

Rückblick: 7.09.2012 – Gewitter, Wachtürme und Sonnenuntergang am Grand Canyon

Wieder klingelte der Wecker sehr früh in unserem Zelt auf dem Campingplatz am Grand Canyon. Der Blick aus dem Zelt offenbarte einen komplett bedeckten Himmel, es sah nach Regen aus. Da uns der Canyon aber so fasziniert und beeindruckt hatte, wollten wir noch einen weiteren Tag hier bleiben. Ich ging zum Check In-Häuschen – der Weg dorthin war übrigens recht lang und führte durch heißen, staubigen Wald – aber er lohnte sich…

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… denn unterwegs traf ich wieder auf ein paar „Elks“ – dieses Mal aber in kleiner Variante, dem „deer“ oder auch nordamerikanisches Reh 😉

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Wir hatten großes Glück und durften noch eine weitere Nacht hier auf dem Mather Campground bleiben und was noch glücklicher war: Wir mussten nicht einmal weit umziehen und bekamen den Platz nebenan. Dort zelteten im Moment noch zwei Holländer. Wir schnackten ein bisschen mit ihnen und durften dann schon vorzeitig auf ihren Platz – hier passen übergangsweise ja auch zwei Zelte hin, damit wir für unsere Unternehmung heute mehr Zeit haben 😉 Wir schleppten unser Zelt die 20 Meter zur neuen Stelle und parkten unser Auto hinter den Bulli der Holländer. Während wir uns mit den Holländern noch unterhielten, erzählten sie uns von dem Mäusevirus im Yosemite und dass sie deshalb nicht dorthin gefahren waren…  plötzlich war uns klar, dass die Gruselgeschichte von dem Typ von vorgestern Abend wohl doch der Wahrheit entsprach…uiuiui. Wir waren scheinbar in einer Gefahrenzone gewesen und wussten es nicht, hm – aber wir fühlten uns keineswegs verseucht und starteten daher in einen weiteren Tag am Grand Canyon.

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Zunächst wollten wir aber duschen! Unser Campingpatz hatte zwar ein Klohäuschen und überall waren kleine Wasserpumpen mit frischem und suuuuper kaltem Wasser, das tief aus der Erde gepumpt wurde, aber eine Dusche gehörte nicht zum direkten Inventar. Nach drei Tagen Wasserpumpen-Katzenwäsche in kaaaaalt, war es wirklich mal wieder Zeit für eine warme Dusche. Vor allem nach den kalten Nächten im Zelt, brrr. Ganz in der Nähe gab es eine Art Service-Dusch-Station, wo man duschen konnte. Als wir dort ankamen, waren die Duschen gerade geschlossen zwecks Reinigung. So ein Mist. Wir hatten die Wahl zwischen einer Stunde Wartezeit und dann duschen oder nicht duschen und gleich den Canyon erkunden… öhöm, wir machten uns auf zum Canyon 😉

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Wir fuhren zuerst zum Infocenter am Mather Point. Vielleicht erinnert ihr euch, hier waren wir direkt nach unserer Ankunft am Canyon. Der Ausblick von hier war wieder einmalig, wirklich toll! Im Infocenter schauten wir eine Dokumentation über den Canyon. Die Doku war beeindruckend und es war irgendwie ganz unwirklich, diese faszinierenden Bilder auf der Leinwand zu sehen, wo man all das hier direkt vor der Nase hatte.

Dann fuhren wir via Shuttle-Bus zu verschiedenen Lookouts, dieses Mal aber eher Richtung Osten.

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Auch hier hatten wir wieder fantastische Ausblicke, einfach wow.

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Durch den von Wolken bedeckten Himmel bildeten sich tolle Schatten in der Schlucht. Und weil wir so unglaublich weit gucken konnten, konnten wir richtig zusehen, wie die Schatten ziemlich schnell durch den Canyon zogen.

Während wir wieder total beeindruckt waren, trafen wir an einem der Aussichtpunkte auf eine weitere Hörnchenart:

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Das süße Ding huschte durch den Busch und guckte immer ganz verschmitzt oder verschmidtst?! 😉

Via Shuttle-Bus fuhren wir jetzt erst einmal wieder zurück zum Campingplatz und machten uns noch einmal auf den Weg zur Dusch-Station 😉 Hier gab es Münz-Duschen, wo man in Quarter (25 Cent-Münzen) bezahlen musste… wir hatten nur einen $10-Schein und steckten den in die Wechselmaschine… danach hatten wir sehr, sehr viele Quarter-Münzen 😉 Ich weiß nicht mehr, was ein Duschgang kostete, aber man hatte pro Einheit ganze 8 Minuten Zeit. Wir hüpften in die Dusche und irgendwann dachte ich dann: „Hm, was mach‘ ich denn jetzt noch so lange, das Wasser hört gar nicht auf…“ Aus Australien waren wir 3- oder 5-Minuten-Duschen gewohnt, und die verbleibenden Minuten standen wir irgendwie einfach nur doof da 😉

Nach der Dusche hüpften wir zurück in unser Auto und fuhren zum nahegelegenen Markthaus und Cafeteria. Hier gab es Internet und wir checkten kurz die Lage und unsere weitere Reiseroute in den nächsten Tagen. Wir hatten gedacht, dass wir noch einmal die Vegas-Hotels checken und WENN sich zufällig noch einmal so ein wahnsinnig lukratives Angebot wie beim ersten Besuch anbieten sollte… gleich das zweite Hotel bot einen Volltreffer: Kommen Sie morgen früh und bleiben sie übers Wochenende für spottbillige $38… ein tolles Angebot des Märchenschlosses direkt auf dem Strip. Wir buchten sofort und wussten nun, dass wir morgen im luxuriösen Excalibur nächtigen werden, freu und hihi.

Nach der Buchung ging es wieder auf Erkundungstour. Wir fuhren diesmal mit unserem Auto weit in den Osten des South Rim Canyon.

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Wir fuhren zum Grandview Point und erlebten nicht nur einen fantastischen Ausblick…

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… sondern sahen auch wieder einen riesigen Condor.

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Der Kalifornische Kondor, der hier lebt, hat eine Flügelspannweite von knapp 3 Metern. Normalerweise finde ich diese Vögel nicht wirklich hübsch, aber es sah wahnsinnig imposant und majestätisch aus, wie sie hier durch die Luft schwebten – so leicht und in Freiheit. Mittlerweile war es schon eine ganze Schar der Riesenvögel. Aber die Vögel waren nicht das Einzige, was unsere Aufmerksamkeit auf sich zog. Im Hintergrund sah man schon ein Gewitter herbeiziehen.

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Wir sahen, wie der Regen in den Canyon stürzte, wie sich die Gewitterwand bewegte und ab und zu Blitze aus den Wolken zuckten.

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Am Infocenter hatten wir den Wetterbericht für heute gesehen und dort waren starke Gewitter angekündigt. Daneben stand dann ganz fett, dass man sich bei Gewitter vom Abgrund fernhalten soll, damit man nicht vom Blitz getroffen wird. Uuuund wenn man merkt, dass einem die Haare etwas zu Berge stehen, soll man sich schleunigst irgendwo blitzsicher verstecken – bspw. im Auto. Als die Luft um uns herum furchtbar schwül wurde und es sich irgendwie kribbelig anfühlte, huschten auch wir – so wie all die anderen Touris um uns herum – alle plötzlich ganz schnell ins Auto.

Wir fuhren jetzt weiter Richtung Osten – da passte es gut, dass das Gewitter von Westen her kam… wir hatten also noch ein bisschen Zeit, bis uns der Regen einholen würde, hihi.

Unser Ziel war der Desert View Point, wo der Desert View Watchtower steht. Kati kannte Bilder vom Wachturm und war schon sehr gespannt. Wir fuhren durch einen dichten Wald von Ponderosa Kiefern – dort roch es ganz toll nach Wald 😉 – und dann kamen wir am östlichsten Teil des National Parks an. Wir erblickten den Wachturm…

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… und waren ziemlich enttäuscht. Wir hatten einen größeren, imposanteren und älteren Turm erwartet, schließlich sollte der Turm eine Rekonstruktion eines Turms der frühen Pueblo-Indianer sein. Am Grand Canyon siedelten bereits vor über 3000 Jahren viele „natives“, es folgten Indianer-Stämme der Anasazi, der Hopi oder auch der Navajo, die auch heute noch am Canyon verbreitet leben. Nach ihnen wurden viele der Aussichtspunkte hier im Park benannt.

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Und nun standen wir an einem der rekonstruierten Wachtürme und dachten „naja“. Aber der Ausblick war grandios.

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Wir bestiegen den 20 Meter hohen Turm und von hier aus konnten wir ganz prima den Colorado River sehen…

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… eine doch eher braune Suppe, die sich durch die Schluchten windet. Während wir den Colorado River betrachteten, musste es sich über unserem Campingplatz stark abgeregnet haben…

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… danach sah es jedenfalls aus. Es war schon Abend und die Sonne begann unterzugehen.

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Leider wurde das halbe Sonnenuntergang-Spektakel durch die dicke Gewitterwand verdeckt. Aber wenn die Sonne durchdrang…

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… das sah einfach toll aus 🙂

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Wir schauten eine Weile dem Sonnenuntergang und den Regenwolken zu…

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Zur anderen Seite sahen wir kaum Wolken, hier bekam der Himmel schon seine Färbung zwischen Babyblau und Abendrosa.

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Wir wollten uns von hier aus den ganzen Sonnenuntergang am Canyon ansehen, aber die Aussichtsplattform des Turms wurde jetzt geschlossen und wir mussten den Turm verlassen. Von unten konnte man nicht gut sehen, denn hier reihten sich Bauzäune und Bagger aneinander. Wir beschlossen, schnell zu einem der anderen Aussichtspunkte zu fahren. Wir schnellten mit unserem Cali durch den Forest und die paar Kilometer zum nächsten Lookout kamen uns eeeeewig vor. Dann erreichten wir aber endlich den Navajo Point. Wir setzten uns – ab des Weges – auf einen Felsen und sahen zu, wie die Sonne unterging:

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Wir hatten einen fantastischen Ausblick auf den Colorado River und eine der steilen Felswände, die sich mit dem Licht der Sonne rot leuchtend färbte…

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… und auf die unglaubliche Weite der Schlucht.

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Der Sonnenuntergang war immer wieder durch dicke Wolken verdeckt, sodass die Felsen des Grand Canyon nur ab und zu rot leuchteten. Das war etwas schade, aber der Sonnenuntergang war trotzdem sehr schön 🙂 In der Ferne bildete sich blauer Dunst, der immer dicker wurde und immer näher kam.

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Es sah atemberaubend aus, wie der Canyon jetzt spät am Abend im Nebel schlummerte.

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Dann erlebten wir das letzte Leuchten des Sonnenuntergangs…

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… und schnell wurde es nun ziemlich kalt und der Hunger trieb uns zurück zu unserem Zelt – schließlich hatten wir nach unserem Frühstück und einem Power-Riegel nichts weiter gegessen. Auf dem Weg zurück regnete es ein wenig. Am Zelt angekommen sah auch alles nass aus, aber der Regen hatte bei unserer Ankunft aufgehört 🙂

Im Dunkel der Nacht erwärmten wir mit unserer kleinen Gasflasche und einer Taschenlampe bewaffnet eine Dose Linsensuppe, die wir noch im Auto hatten, mjam mjam. Und währenddessen weckten wir alle Nachbarn um uns herum, weil unsere Alarmanlage des Autos immer wieder losging. Ob wir den Kofferraum aufschließen wollten oder eine Tür zuschlugen… immer wieder leuchtete der Cali und hupte laut… hm, ob DAS ein Kurzschluss war, den die gefräßigen Hörnchen-Diebe verursacht hatten?! Als wir endlich alles aus und wieder im Auto hatten  hieß es dann aber für uns ab ins Zelt, brrr, und es war schon wieder sooo kalt. Ich schlief heute Nacht in meiner Neuseeland-Winter-Ski-Jacke. Das war super für mich! Und furchtbar für Kati! Warum? Das verraten wir nächstes Mal 😉

Liebe Grüße vom Grand Canyon

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